Die Geschichte Tibets

Tibet ist ein uraltes Land, dessen schriftlich belegte Geschichte bis ins Jahr 126 v. Chr. zurückreicht. Im 8. Jahrhundert wurde der Buddhismus zur Staatsreligion erhoben. Die tibetische Kultur begann, sich an den spirituellen Zielen eines gütigen, mitfühlenden Herzens und eines ruhigen, klaren Geistes auszurichten. Wissenschaftler sind sich einig, dass Tibet spätestens 1911 nach modernen Kriterien zu einem vollkommen unabhängigen Staat geworden ist. Tibet umfasste zu dieser Zeit ein Gebiet etwa in der Größe Westeuropas. 1949 marschierte die chinesische Armee mit 100.000 Mann in Kham, der östlichen Provinz Tibets, ein. Internationale Reaktionen auf dieses Vorgehen und die darauf folgende Besetzung der Hauptstadt Lhasa war allgemeine Missbilligung - die Welt war sich einig, dass China unrechtmäßig gehandelt hatte. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete mehrere Resolutionen, die das chinesische Vorgehen verurteilten und Selbstbestimmungsrecht für die Tibeter forderten. Doch China ignorierte diese Aufrufe und dehnte seine militärische Kontrolle vollständig über alle drei tibetischen Provinzen aus: Kham, Amdo und Ü-Tsang. Im Frühjahr 1959 kam es in Lhasa, der Hauptstadt Tibets, zu einem Volksaufstand der Tibeter gegen die Chinesen, der jedoch vom Militär rücksichtslos niedergeschlagen wurde. Der Dalai Lama, das weltliche und geistliche Oberhaupt Tibets, und 80.000 Tibeter flohen über den Himalaja nach Indien, wo sie nun schon seit über 40 Jahren leben. Infolge der Aufstände in Lhasa wurde die chinesische Unterdrückung der Tibeter und ihrer Kultur noch brutaler und unmenschlicher. Während Maos Kulturrevolution (1966-1976) wurde der Buddhismus zum Hauptangriffspunkt der kommunistischen "Reformen" und Tibet zu einem Land des Leids: Hunderttausende wurden verhaftet und in Gefängnisse und Arbeitslager verschleppt. Mehr als eine Millionen Tibeter, rund ein Fünftel der Gesamtbevölkerung, sind infolge der chinesischen Herrschaft an Folter und Hungersnot, durch Hinrichtung oder auf andere Weise zu Tode gekommen. Die Chinesen verboten praktisch jegliches Studium des Buddhismus und jegliche religiöse Praxis. 1969 gab es in Tibet keine einzige praktizierende Nonne und keinen einzigen praktizierenden Mönch mehr - alle waren sie entweder geflohen, hingerichtet, verhaftet oder zumindest ihrer Ämter enthoben worden. Vor der Invasion überzog ein Netz von mehr als 6.000 Klöstern das Land, 1979 waren alle bis auf 13 geplündert und zerstört worden. Tausende Tonnen religiöser Statuen und anderer Kunstwerke aus edlen Metallen waren gestohlen und in Chinas Gießereien eingeschmolzen oder ins Ausland verkauft worden. Studium und Praxis des Buddhismus sind inzwischen wieder gestattet, jedoch unter strengen Auflagen der chinesischen Regierung. Es wurde den Tibetern erlaubt, einige Klöster wiederaufzubauen, aber die chinesischen Behörden begrenzen die Anzahl der jeweils zugelassenen Mönche und Nonnen. Zusätzlich sind Vertreter der Kommunistischen Partei Chinas entweder dauerhaft im Kloster positioniert oder statten häufige Überwachungsbesuche ab, um die Bewohner "umzuerziehen". Die "Umerziehungsversammlungen" sind darauf ausgerichtet, Mönche und Nonnen zu zwingen, den Dalai Lama zu diskreditieren, die chinesische Staatsideologie zu preisen und der tibetischen Freiheitsbewegung abzuschwören. Gefängnisse und Arbeitslager sind zu einem beherrschenden Aspekt im Leben der Tibeter unter chinesischer Besatzung geworden. Jede Kritik und jeder Widerstand gegenüber der chinesischen Besatzungsmacht ist ein Grund zur Verhaftung. Es gibt heute nicht einen einzigen Tibeter, in dessen Familie nicht zumindest ein Mitglied gefangen genommen oder getötet wurde. Die genaue Anzahl der politischen Gefangenen, die vor 1979 verhaftet wurden, ist unbekannt, aber Schätzungen zufolge starben mehr als 70 Prozent während ihrer Gefangenschaft. Einige Häftlinge wurden gezwungen, in chinesischen Bergwerken und Fabriken unter menschenunwürdigen Bedingungen zu arbeiten - von 10.000 Gefangenen eines Arbeitslagers für Boraxminen in den nördlichen Hochebenen von Jang Tsalaka starben Berichten zufolge 8.000 Tibeter innerhalb eines einzigen Jahres. In einer Bleimine in Dhartsedo (chin. Kangting), Kham, starben mehr als 12.000 Arbeiter in nur zwei Jahren. Auch heute noch wird jede politische Aktivität und jeder friedliche Einsatz für Menschenrechte als Schwerverbrechen angesehen und mit Haftstrafen zwischen einem Jahr und lebenslänglich geahndet. Auch jede Sympathiebezeugung gegenüber dem Dalai Lama, selbst der Besitz seines Portraits oder der verbotenen tibetischen Nationalflagge sind Grund für Gefangennahme und hohe Haftstrafen. Historisch besteht Tibet aus den drei Provinzen Ü-Tsang, Kham und Amdo, die ein Gebiet von 2,5 Millionen Quadratkilometern umfassen. China gliederte jedoch ganz Amdo und große Teile von Kham in die angrenzenden chinesischen Provinzen ein. Das verbleibende Gebiet, das nur noch aus Ü-Tsang und einigen Regionen Khams besteht, erhielt die Bezeichnung "Autonome Region Tibet". Obwohl es nur die Hälfte der ursprünglichen Landmasse Tibets darstellt, beziehen sich die Chinesen lediglich auf dieses Gebiet, wenn sie von Tibet sprechen. 1959, im Anschluss an seine Flucht nach Indien, begann der Dalai Lama nach modernen demokratischen Prinzipien die Regierung Tibets im Exil aufzubauen. 1991 verabschiedete der US-Kongress eine Resolution, die Tibet als ein "besetztes Land" anerkennt, dessen "wahre Vertreter der Dalai Lama und die tibetische Exilregierung sind". Die Exilregierung kümmert sich um das Wohlergehen der tibetischen Flüchtlinge, wobei der Schwerpunkt auf die Ausbildung und die Bewahrung der Tradition gelegt wird. Sie steht auch an der Spitze des friedlichen Kampfes des tibetischen Volkes um wahre Selbstbestimmung und die Rückgewinnung seines rechtmäßigen Heimatlandes.

Dialogbemühungen

 

Der Dalai Lama und seine Regierung suchen auf dem friedlichen Weg durch Verhandlung mit der chinesischen Regierung nach einer Lösung für den Tibet-Konflikt. Ihre Bemühungen werden jedoch von Peking seit Jahren zurückgewiesen. China verlangt, dass der Dalai Lama als Ausgangspunkt für Verhandlungen zuerst den historischen und rechtlichen Status Tibets als einstmals unabhängiges Land verleugnet.

 

Das internationale Bewusstsein für die Situation in Tibet hat in den letzten Jahren zugenommen, vor allem seit dem Dalai Lama 1989 der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Zahlreiche Parlamente haben Resolutionen verabschiedet, in denen sie die Menschenrechtsverletzungen in Tibet verurteilen und eine friedliche Lösung des Konfliktes fordern.

Blick auf Lhasa (Hauptstadt von Tibet) und Potala 1938 / 39

Die wechselvolle Geschichte Tibets beginnt im 7. Jahrhundert mit der Gründung des tibetischen Großreiches, das bis zum 10. Jahrhundert eines der mächtigsten Reiche Asiens ist. Interne Machtkämpfe und ausländische Invasionen prägen von da an die Geschichte des Landes. Insbesondere die Beziehungen zur Mongolei haben großen Einfluss auf Tibet. Sowohl Tibet als auch China fallen im 13. Jahrhundert unter die Herrschaft des mongolischen Großreiches (Yuan-Dynastie). Im 17. Jahrhundert marschieren die Mongolen erneut ein. Sie übertragen 1642 dem 5. Dalai Lama die Regierungsgewalt über Tibet. So wird der Dalai Lama als politisches Oberhaupt etabliert. In den darauf folgenden Jahrhunderten kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Manschus, die in China die Qing-Dynastie einsetzen, und auch Nepal fällt wiederholt in Tibet ein. Trotz der langen Zeiten der Besetzung gelingt es Tibet immer wieder, zwischenzeitlich seine Autonomie zurück zu gewinnen.

Als der 13. Dalai Lama 1895 die Regierungsgeschäfte übernimmt, ist Tibet ein religiöser Staat mit feudalistischen Zügen. Die Macht ist aufgeteilt zwischen den Klöstern, dem Adel und dem Dalai Lama. Großbritannien, die Kolonialmacht in Indien, versucht seinen Einflußbereich auszuweiten und marschiert 1904 in Tibet ein. Der Dalai Lama flieht ins Exil in die Mongolei und kehrt erst 1909 zurück, nachdem die Truppen wieder abgezogen sind. Die tibetische Armee ist jedoch geschwächt, so dass die Truppen der in China herrschenden Manschus nach Tibet vordringen können. 1910 besetzen sie Lhasa. Der Dalai Lama flieht ins indische Exil. Die Besetzung ist jedoch von kurzer Dauer. In Folge der chinesischen Revolution und des Sturzes der Manchu-Dynastie ist die chinesische Armee geschwächt und kann 1912 von der tibetischen Armee zurückgedrängt werden. Der Dalai Lama kehrt zurück und erklärt 1913 die Unabhängigkeit Tibets. Er beginnt nun, den Staat zu modernisieren und nach außen hin zu isolieren.

Tibet unter chinesischer Herrschaft

Noch 1949, im Jahr der Machtübernahme der Kommunistischen Partei und dem Ausruf der VR China, dringen erste Truppen der chinesischen Volksbefreiungsarmee in Amdo, die nordöstliche Provinz Tibets, ein. 1950 greift ein Heer von 40.000 Soldaten die südöstliche Provinz Kham an und besetzt das Land gewaltsam. Dem 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso wird im Alter von 15 Jahren die Macht übertragen. Unter militärischem Druck unterzeichnet eine tibetische Delegation 1951 das 17-Punkte-Abkommen, in dem der Status Tibets als Teil Chinas mit politischer Autonomie und kultureller sowie religiöser Freiheit vereinbart  wird. Doch ist der Vertrag völkerrechtlich ungültig und der autonome Status wird zudem von China missachtet: Die chinesische Armee marschiert noch im selben Jahr in Lhasa ein.

 

Die tibetische Bevölkerung leidet unter dem Terror und der Gewalt der chinesischen Besatzer. Es entsteht eine Widerstandbewegung in den östlichen Provinzen Tibets. Bei ihrer Zerschlagung sterben zahlreiche Tibeter, Klöster werden zerstört.

 

Nach Jahren der Unterdrückung kommt es in Tibet am 10. März 1959 zum Volksaufstand, der von der chinesischen Armee blutig niedergeschlagen wird. Dem Dalai Lama gelingt es, noch rechtzeitig ins indische Exil zu fliehen. Die chinesischen Besatzer gehen nun noch rücksichtsloser gegen die tibetische Bevölkerung vor. Sie wird immer häufiger Opfer von Übergriffen. 1965 verkündet Peking die „Autonome Region Tibet“ (TAR), eine Region, die nur etwa die Hälfte des Territoriums Tibets umfasst.

 

Die „Große Proletarische Kulturrevolution“ von 1966 bis 1976 bringt weitere Gewalt und Elend über Tibet. Es sterben 1,2 Mio. Menschen. Auch die verbliebenen Tempel und Klöster werden nun zerstört. Nach der Kulturrevolution sind nur noch 12 Klöster erhalten.

 

Die Lebensbedingungen in Tibet sind äußerst schlecht unter der chinesischen Herrschaft. Selbst grundlegende Menschenrechte werden nicht gewahrt. Es kommt immer wieder zu Aufständen, die gewaltsam beendet werden. Zwischen 1987 und 1989 sind die Unruhen besonders heftig und Peking verhängt den Kriegszustand über Lhasa. Der Dalai Lama bemüht sich um eine Annäherung und schlägt den „Mittleren Weg“ ein, d.h. er fordert nicht die Unabhängigkeit, sondern nur eine echte Autonomie Tibets innerhalb des chinesischen Staatsverbands. Doch die Verhandlungen mit der chinesischen Regierung bleiben erfolglos. Im März 2008 kommt es erneut zu heftigen Protesten in Tibet, die brutal niedergeschlagen werden und über 200 Menschen das Leben kosten, darunter viele Mönche und Nonnen.

Der völkerrechtliche Status

Rechts­lage

Gemäss inter­na­tio­na­lem Recht ist ein sou­ve­rä­ner Staat dann exis­tent, wenn sein Gebiet von sei­nem Volk und sei­ner Regie­rung effek­tiv kon­trol­liert wird und er in der Lage ist, inter­na­tio­nale Bezie­hun­gen einzugehen.

 

Ter­ri­to­rium

Das his­to­ri­sche, kul­tu­relle und eth­ni­sche Gebiet Tibets erstreckt sich von der McMahon-Linie im Wes­ten und Süden bis zu Kun­lun und Altyn Tagh im Nor­den und Dhartse-dho (Ta-chien-lu) im Osten. Das ganze Gebiet umfasst rund zwei Mil­lio­nen Quadratkilometer.

 

Volk

Die sechs Mil­lio­nen Tibe­ter bil­den eth­nisch, kul­tu­rell, sprach­lich und geschicht­lich ein eigen­stän­di­ges Volk, das sich von sei­nen Nach­bar­völ­kern ein­deu­tig unterscheidet.

 

Regie­rung

Die tibe­ti­sche Regie­rung in Lhasa unter der Füh­rung des Dalai Lama war die unan­ge­foch­tene Herr­sche­rin über Tibet.

 

Seit der Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung durch den 13. Dalai Lama im Jahr 1913 hat China weder Macht noch Auto­ri­tät irgend­wel­cher Art in oder über Tibet aus­ge­übt. Bell, Gross­bri­tan­ni­ens poli­ti­scher Beam­ter in Sik­kim und zugleich zustän­dig für Tibet, eine welt­be­kannte Auto­ri­tät in Sachen Tibet, weist aus­drück­lich dar­auf hin, dass seit 1912 jeg­li­che chi­ne­si­sche Kon­trolle über Tibet auf­ge­hört habe.

 

Tsung-lien Shen und Shen Chi-liu, beide Ver­tre­ter der natio­nal­chi­ne­si­schen Regie­rung in Lhasa, die 1949 Tibet ver­las­sen muss­ten, berichten:

 

“Seit 1911 hat Lhasa in allen fak­ti­schen Berei­chen eine völ­lige Unab­hän­gig­keit genossen.”


Richard­son, der als diplo­ma­ti­scher Lei­ter zunächst der bri­ti­schen und spä­ter der indi­schen Mis­sion in Lhasa ins­ge­samt acht Jahre in Tibet ver­bracht hat, bestä­tigt eben­falls, dass Tibet bis zur kom­mu­nis­ti­schen Inva­sion 1950 völ­lige De-facto-Unabhängigkeit genos­sen habe. Als Aus­druck der tibe­ti­schen Unab­hän­gig­keit zu die­ser Zeit wird auch die Tat­sa­che gewer­tet, dass die tibe­ti­sche Regie­rung im Februar 1940 ein Amt für aus­wär­tige Ange­le­gen­hei­ten errich­tete. Die von der tibe­ti­schen Regie­rung ver­folgte Neu­tra­li­täts­po­li­tik wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges unter­streicht zudem ihre volle Hand­lungs­frei­heit und die Unab­hän­gig­keit Tibets.

 

Posi­tion Chinas

Die Regie­rung der Volks­re­pu­blik China ver­tritt jedoch die his­to­risch frag­wür­dige Auf­fas­sung, Tibet habe seit der Yuan-Dynastie unter chi­ne­si­scher Sou­ve­rä­ni­tät gestan­den und sei des­halb ein unver­äus­ser­li­cher Teil Chi­nas. Wie die vor­an­ge­hende his­to­ri­sche Dar­stel­lung gezeigt hat, kann die mon­go­li­sche Ober­herr­schaft über Tibet nicht als eine chi­ne­si­sche aus­ge­legt wer­den. Zwi­schen den Sou­ve­rä­ni­täts­an­sprü­chen Chi­nas und dem ihnen zugrunde lie­gen­den his­to­ri­schen tibetisch-chinesischen Ver­hält­nis besteht eine offen­sicht­li­che Diskrepanz.

 

Seit der Unab­hän­gigs­keits­er­klä­rung durch den 13. Dalai Lama im Jahre 1913 bis zur völ­ker­rechts­wid­ri­gen Anne­xion durch die Volks­re­pu­blik China im Jahre 1951 ist Tibet ein voll­stän­dig unab­hän­gi­ger Staat gewe­sen. Dies ist durch die Inter­na­tio­nale Juris­ten­kom­mis­sion in ihrem Gut­ach­ten zur Tibet-Frage von 1960 auch bestä­tigt wor­den. Darin stellt sie fest, dass Tibet im Jahre 1949, als es von China gewalt­sam besetzt wurde, die Kri­te­rien für einen selb­stän­di­gen Staat erfüllt habe: ein Volk mit einem eige­nen Ter­ri­to­rium und einer eige­nen funk­tio­nie­ren­den Regie­rung in die­sem Ter­ri­to­rium. Diese Fest­stel­lung ist aus­ser­dem vom Wis­sen­schaft­li­chen Fach­dienst des Deut­schen Bun­des­ta­ges in sei­nem Gut­ach­ten von 1987 bestä­tigt worden.

Gyalt­sen Gyaltag

Massenumsiedlung und Sinisierung

Umsied­lun­gen

Eine grosse Anzahl Chi­ne­sen zie­hen — durch die chi­ne­si­sche Regie­rung ermu­tigt — nach Tibet. Die Grösse der Umsied­lung spitzt sich alar­mie­rend zu. Die berech­tigte Angst besteht — alle Anzei­chen bestä­ti­gen dies -, dass die gegen­wär­tige chi­ne­si­sche Poli­tik “erfolg­reich” ist. Ziel ist es, die Tibe­ter zu einer unbe­deu­ten­den Min­der­heit im eige­nen Land zu machen.

 

Anreize für chi­ne­si­sche Umsiedler

Die gegen­wär­tige Ansied­lungs­po­li­tik wurde 1983 begon­nen, als die “end­gül­tige Lösung” von Chi­nas Tibet-Problematik beschlos­sen wurde. Deng Xia­o­ping und andere chi­ne­si­sche Staats­trä­ger beschlos­sen die Umset­zung der Regie­rungs­li­nie durch die Moti­vie­rung von Chi­ne­sen, sich in Tibet anzu­sie­deln. Anreize für die chi­ne­si­schen Ein­wan­de­rer sind: Höhen­zu­la­gen, Ent­fer­nungs­prä­mien, Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen, ver­kürzte Arbeits­zeit und mehr freie Tage. Die Arbeits­löhne und Beam­ten­ge­häl­ter in Tibet sind die höchs­ten in ganz China und beste­hen zu über 30% aus Prä­mien. So kann ein chi­ne­si­scher Leh­rer in der Auto­no­men Region Tibet fünf­mal so viel Geld — bei ver­gleichs­weise weni­ger Arbeit — wie in China ver­die­nen. Diese Bestre­bun­gen ver­let­zen Arti­kel 49 der 4. Gen­fer Kon­ven­tion (1949), die den Bevöl­ke­rungs­trans­fer von Tei­len der Bevöl­ke­rung der Besat­zungs­macht in das besetzte Ter­ri­to­rium unter­sagt. Die Bestim­mun­gen der Gen­fer Kon­ven­tion wer­den von der chi­ne­si­schen Regie­rung nicht respek­tiert, obwohl sie sie 1956 rati­fi­ziert hat.

 

Fol­gen

7.5 Mil­lio­nen Chi­ne­sen ste­hen heute 6 Mil­lio­nen Tibe­tern im ursprüng­li­chen Staat Tibet gegen­über. In allen grös­se­ren Städ­ten sind die Chi­ne­sen schon heute den Tibe­tern an Zahl über­le­gen. Selbst nach chi­ne­si­scher Schät­zung sind ca. 58% (ent­spre­chend ca. 150’000) der Ein­woh­ner von Lhasa chi­ne­sisch; rech­net man noch die star­ken Trup­pen­kon­zen­tra­tio­nen im Lhasa-Tal dazu, so ste­hen 300’000 Chi­ne­sen etwa 60’000 Tibe­tern gegen­über. Die Stadt Chamdo hat nach Augen­zeu­gen­be­rich­ten einen chi­ne­si­schen Bevöl­ke­rungs­an­teil von 95%. Man­che Städte in Kham ent­stan­den über­haupt erst nach der Ankunft der Chi­ne­sen in den 50er Jah­ren. Eine davon, Hong Yuan, wurde inmit­ten gros­ser Wei­de­ge­biete erbaut, in denen Noma­den leben.

 

Der Bevöl­ke­rungs­trans­fer ver­ur­sachte eine Infla­ti­ons­rate von 300% und eine Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft mit schar­fen eth­ni­schen Gren­zen sowie einer bis­her nicht dage­we­se­nen Arbeits­lo­sig­keit unter den Tibetern.

Im Gebiet von Lhasa zum Bei­spiel sind 30’000 Tibe­ter arbeits­los, da sie ihren Arbeits­platz an chi­ne­si­sche Neu­an­kömm­linge abge­ben muss­ten. Neu­ge­schaf­fene Arbeits­plätze wer­den vor­ran­gig von Chi­ne­sen besetzt. Chi­ne­sisch ist Haupt­un­ter­richts­spra­che und damit Vor­aus­set­zung für die meis­ten Arbeits­stel­len. Dadurch haben die Neu­an­sied­ler einen sofor­ti­gen sprach­li­chen Vor­sprung. Die tibe­ti­sche Spra­che wird hin­ge­gen aus dem Arbeits­all­tag völ­lig ver­drängt. Von den ca. 12’000 Läden, Tee­häu­sern und Restau­rants aus­ser­halb des Barkhor-Altstadtkerns in Lhasa sind nur 300 im Besitze von Tibetern.

 

Grosse Bedro­hung

In Tibet bedeu­tet die Bevöl­ke­rungs­ver­le­gung die grösste Bedro­hung für das Ueber­le­ben des tibe­ti­schen Vol­kes und sei­ner Kultur.

Unterdrückung der Kultur und der Religion

Kul­tur­re­vo­lu­tion

Bis 1979 wurde die Reli­gi­ons­aus­übung gewalt­sam unter­drückt. Mön­che und Non­nen wur­den öffent­lich gefol­tert und getö­tet. Wäh­rend der Kul­tur­re­vo­lu­tion wur­den ca. 6’000 Klös­ter zer­stört, die 13 ver­blei­ben­den wur­den “nur” geplün­dert. Rie­sige Men­gen von Kul­tur­gü­tern wur­den, wenn sie nicht zer­stört wur­den, nach Bei­jing gebracht und dort ein­ge­schmol­zen oder an west­li­che Samm­ler ver­kauft.

Die chi­ne­si­sche Regie­rung kri­ti­siert das dama­lige Ver­hal­ten und macht die “Vierer-Bande” dafür verantwortlich.

 

Situa­tion heute

Diese offene Kri­tik wird aber dazu benutzt, um von heu­ti­gen Pro­ble­men abzulenken.Denn ent­ge­gen der chi­ne­si­schen Behaup­tun­gen gibt es auch heute noch keine Reli­gi­ons­frei­heit. Die tibe­ti­sche Kul­tur wird wei­ter­hin unter­drückt, wenn auch mit sub­ti­le­ren Metho­den.


Die chi­ne­si­sche Besat­zungs­macht ver­folgt beson­ders bud­dhis­ti­sche Mön­che und Non­nen, weil sie eine andere Welt­an­schau­ung ver­tre­ten. In dem repres­si­ven Regime zie­len auf­ge­zwun­gene Umer­zie­hungs­mass­nah­men und Indok­tri­nie­rungs­sit­zun­gen spe­zi­ell für diese Gläu­bi­gen dar­auf ab, ihre tibetisch-nationale oder reli­giöse Über­zeu­gung in kom­mu­nis­ti­sches, china-freundliches Den­ken umzu­wan­deln. Wer sich nicht anpasst, wird aus sei­nem Klos­ter aus­ge­schlos­sen und darf auch nicht in andere Klös­ter eintreten.

 

Spra­che

Chi­ne­sisch hat Tibe­tisch als Amts­spra­che ersetzt (dies trotz anders­lau­ten­den offi­zi­el­ler Erklä­run­gen). In Amdo und Kham (den bevöl­ke­rungs­reichs­ten Gebie­ten Tibets) ist oft unmög­lich, in Schu­len Tibe­tisch zu ler­nen. In Grund­schu­len Zentral-Tibets wird Tibe­tisch inzwi­schen wie­der unter­rich­tet, wer jedoch Eng­lisch ler­nen möchte (und dies ist eine Bedin­gung, um an Uni­ver­si­tä­ten zuge­las­sen zu wer­den), muss das Stu­dium der tibe­ti­schen Spra­che been­den. Nach der Grund­schule wird in Chi­ne­sisch unter­rich­tet. All dies führt dazu, dass die tibe­ti­sche Spra­che stirbt und Tibe­ter, die kein Chi­ne­sisch spre­chen, fast keine Arbeit finden.

 

Reli­gion

Anfangs 1980 began­nen die Tibe­ter mit dem Wie­der­auf­bau und der Bevöl­ke­rung der zer­stör­ten Tem­pel und Klös­ter. Dies in einem Tempo, das von China als Bedro­hung auf­ge­fasst wurde. Aus die­sem Grund wurde Ende 1994 eine Kam­pa­gne gegen den tibe­ti­schen Bud­dhis­mus gestar­tet. Alle wei­te­ren Reno­va­tio­nen wur­den gestoppt und Höchst­zah­len für die Anzahl Mön­che und Non­nen ein­ge­führt. Dies stellt einen schwe­ren Angriff auf die tibe­ti­sche Kul­tur dar, weil die Wieder-Einführung des Bud­dhis­mus eine Gele­gen­heit für junge Tibe­ter gewe­sen war, Kul­tur und Geschichte ihres Lan­des ken­nen­zu­ler­nen. Wer ohne Erlaub­nis der Regie­rung Klös­ter auf­baut, wird auch heute noch streng bestraft. Die Zahl der Mön­che und Non­nen beträgt 1’200 (vor 1959 waren es ca. 25’000). Die Mön­che und Non­nen wer­den von Regie­rungs­stel­len bestimmt und streng kon­trol­liert; sie kön­nen nicht sel­ber bestim­men, in wel­chem Klos­ter sie ler­nen möch­ten und wer ihr Leh­rer sein soll. Tibe­ti­sche Mit­glie­der der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Chi­nas wer­den auf­ge­for­dert, reli­giöse Gegen­stände aus ihren Häu­sern zu ent­fer­nen und Kin­der, die Schu­len der exil-tibetischen Regie­rung besu­chen, zurückzubringen.

 

Pan­chen Lama

Die chi­ne­si­sche Regie­rung ver­sucht aus­ser­dem, die Stel­lung des Dalai Lama als reli­giö­ses Ober­haupt zu unter­gra­ben. 1989 ver­starb Tibets zweit­wich­tigste Per­son, der Pan­chen Lama. Tra­di­tio­nel­ler­weise wird die Reinkar­na­tion vom Dalai Lama bestimmt, was er im März 1995 auch tat. Einige Monate spä­ter dann bestimmte ein von der Regie­rung Chi­nas ernann­tes Komi­tee die Reinkar­na­tion des zehn­ten Pan­chen Lama. In Tibet kam zu gros­sen Pro­tes­ten, wel­che zu einer Ver­haf­tungs­welle führten.

 

Chadrel Rin­po­che, der Abt des Klos­ters Tashi­lunpo (der bis anhin als eher china-freundlich galt) wurde von den Chi­ne­sen ver­haf­tet und inhaf­tiert. Inzwi­schen gab China zu, den sie­ben­jäh­ri­gen Kna­ben in Gewahr­sam genom­men zu haben, um ihn ‘zu schüt­zen’. Der Knabe dürfte zur Zeit der jüngste poli­ti­sche Gefan­gene der Welt sein. Inzwi­schen ver­sucht China, ‘sei­nen’ Pan­chen Lama zu eta­blie­ren. (Cars­ten Nebel, 28.09.1998)

Tibet was a fully functioning and independent state before the Chinese invasion.

The modern Tibetan national flag was adopted in 1916. Its international debut was in the National Geographic Magazine’s “Flags of the World” issue of 1934.

Compiled by Jamyang Norbu for the Rangzen Alliance

 

FUNCTIONING STATE 

Tibet was a fully functioning and independent state before the Chinese invasion. It threatened none of its neighbors, fed its population unfailingly, year after year, with no help from the outside world, and owed nothing to any country or international institution. Although insular, theocratic and not a modern democracy, Tibet maintained law and order within its borders and conscientiously observed treaties and conventions entered into with other nations. It was one of the earliest countries to enact laws to protect wildlife and the environment – recurrently cited in the “Mountain Valley Edicts” issued since 1642 [1], and possibly earlier.   [2]   Tibet abolished capital punishment in 1913 (noted by many foreign travelers [3]) and was one of the first nations in the world to do so. There is no record of it persecuting minorities (e.g. Muslims   [4])   or massacring sections of its population from time to time as China (remember Tiananmen) still does.     Although Tibet’s frontiers with India, Nepal and Bhutan were completely unguarded and Tibetans were “great travelers” [5] , very few Tibetans fled their country as economic or political refugees. There was not a single Tibetan immigrant in the USA or Europe before the Communist invasion. Read the full story...

10 Facts about Tibet

The invasion of Tibet began in 1949. Chinese occupation has resulted in the death of over one million Tibetans, the destruction of over 6,000 monasteries, nunneries and temples, and the imprisonment and torture of thousands of Tibetans.
The Dalai Lama, Tibet's political and spiritual leader, fled Tibet in 1959 to Dharamsala, India, followed by over 100,000 Tibetans and established the Tibetan Government-in Exile. In 1989, he was awarded the Nobel Peace Prize for a steadfast dedication to non-violence, and the highest US civilian honor, the Congressional Gold Medal, in 2007.
Tibet, before occupation, was a nation with an established sovereign government, currency, postal system, language, legal system, and culture. Prior to 1950, the Tibetan government also signed treaties with foreign nations. The Chinese government claims that Tibet has always been part of China, yet its invasion of Tibet resembles imperialist aggression that China accuses other powers of exhibiting.
The "Tibetan Autonomous Region" (TAR) is not Tibet, nor is it autonomous. The Chinese government has divided historical Tibet into one region and several prefectures and counties, with the TAR encompassing only the central area and some eastern regions of Tibet.
The basic freedoms of speech, religion, and assembly are strictly limited, and arbitrary arrests continue. There are currently hundreds of political prisoners in Tibet, enduring a commonplace punishment of torture.
The Chinese government increasingly encourages Han Chinese to migrate to Tibet, offering them higher wages and other inducements. This policy is threatening the survival of Tibetan people. Tibetans are becoming a minority in the TAR. Yearly, thousands of Tibetans still flee from Tibet, making the treacherous journey over the Himalayas into a world of exile.
Historical Tibet was a vast country, with an area roughly equal to Western Europe. Tibet is the source of five of Asia's largest rivers, which provide water for two billion people. Tibet's fragile environment is endangered by Chinese strip-mining, nuclear waste dumping, and extensive deforestation.
The Chinese government claims to have ?developed? Tibet, with ?developments? mainly benefiting the new majority Chinese, not Tibetans. China, neglecting education and healthcare, has spent millions of dollars building infrastructure; many roads, buildings, and power plants directly support heavy militarization, allowing China to maintain Tibet as a police state.
The Chinese government aggressively seeks foreign investment for its ?Go West? campaign, with use of these international funds to develop Tibet as a resource extraction colony and consolidate regional control. Foreign investments in Chinese companies legitimise China's colonisation and exploitative projects that harm Tibet.
The United Nations and international community have done very little to address the core issue of China?s illegal occupation of Tibet. China represents an enormous market and cheap labour force, and its associated businesses have such a strong lobby that officials are reluctant to take substantive measures. Since western countries adopted policies of so-called ?constructive engagement? with China in the 1990s, the human rights situation in Tibet has only deteriorated. In November 2008, the UN agreed with Free Tibet's report on torture, clarifying that it believes that torture is 'widespread and routine' in Tibet.